Streiflicht



Achtung! Das Streiflicht ist umgezogen:

Neue Adresse bei blogsome.com

22 Juli 2005

Das Streiflicht zieht um!

Dies ist der letzte Beitrag im Streiflicht unter dieser Adresse.
Mehr und bessere Funktionen - und damit auch mehr Komfort für die geschätzten Besucher! - haben mich vom neugewählten Anbieter überzeugt.

Also: Man sieht sich hoffentlich dort!

PS: Freundliche Menschen haben meinem hiesigen Blog mit einer Verlinkung auf ihren Seiten Ehre zuteil werden lassen. Ich hoffe, ihre Freundlichkeit mit einer Änderung der Streiflicht-Adresse nicht über erträgliche Maßen zu strapazieren. ;-)

21 Juli 2005

Der Gaza-Abzug: Zum Scheitern verurteilt?

In der schweizerischen Weltwoche schreibt Moshe Zimmermann über die Gefahren, die trotz oder wegen des israelischen Abzugs aus Gaza drohen.

"Die Frage ist, ob ein palästinensischer oder ein israelischer Fanatiker als Erster ein Streichholz an die Lunte hält. Und wenn es um das israelische Lager geht: Auf welcher Seite wird es den ersten Toten geben? Wird es einen brutalen Anschlag auf Palästinenser geben? Wird ein israelischer Soldat, der die Scharon-Politik umsetzt, oder ein Siedler, der einen Soldaten zum Schiessen provoziert, zum Auslöser des grossen Feuers? Die Mehrheit auf beiden Seiten plädiert für Zurückhaltung. Hofft auf einen friedlichen Ausgang dieser Phase. Doch wahrscheinlicher ist ? ein Gewaltausbruch." (Quelle: weltwoche)

Lesetipp: Leon de Winter bei spiegel.de

Gefunden bei David Harnasch:

Ein fundierter Artikel von Leon de Winter über die Anschläge von London und die europäischen Reaktionen auf den islamistischen Extremismus.

20 Juli 2005

Lesetipp: Berman-Interview bei typoskript.net

Mal wieder verdanke ich den Freunden der offenen Gesellschaft einen wertvollen Lesetipp:

Paul Berman, der der demokratischen Linken Amerikas zugerechnet wird und mit seinem Buch ?Terror und Liberalismus? auch in Deutschland von einem breiteren Publikum wahrgenommen wurde, steht in einem Interview dem Jüdischen Internet-Magazin "typoskript.net" Rede und Antwort.

Bemerkens- und lesenswert, wie folgende Passage vielleicht verdeutlicht, in der er die aus seiner Sicht "dreifache Naivität" vieler Menschen im Westen aufs Korn nimmt:

"Zum ersten meint man, die Terroristen stellen nur ein kleines Phänomen dar. Vielleicht sind es nur ein paar hundert Leute, die von Polizei und Spezialkräften schnell aufgemischt werden könnten. Dies sollte das Problem lösen. Wenn wir das tun und dann keine Dummheiten anstellen, was wieder ein paar Hundert dazu bringen würde, den Terroristen zu folgen, so wäre das Thema erledigt. Aber das ist in meinen Augen sehr naiv. Denn meiner Einschätzung nach sind die Terroristen selbst nur der radikale, bewaffnete Flügel einer politischen Bewegung, die in Wirklichkeit viele Millionen Anhänger hat. Ein paar Hundert auszuschalten mag eine gute Idee sein, aber das Problem wäre nicht gelöst. Millionen stehen bereit, die derartige Ideen unterstützen. Dies ist die eine Illusion.

Die zweite Naivität besteht darin, zu glauben, daß es für terroristische Aktionen irgendeinen normalen, rationalen und legitimen Umstand geben müsse, der diese rechtfertigt; daß also die Gewalt der Terroristen etwas Tatsächliches reflektiert und somit einer irgendwie vernünftigen Analyse von Vorkommnissen nachfolgt. Schauen Sie sich beispielsweise die Diskussion um Baraks und Clintons Angebot von Camp David an, dies wurde als inadäquat bewertet. Denn 95% des Landes wären nicht genug, es hätten 97%, 98% oder gar 100% sein müssen. Diese kleine Differenz soll drei Millionen Menschen so verrückt gemacht haben, daß sie keine andere Reaktion sahen als sich und Tausende andere zu töten? Nur wegen ein paar Quadratkilometern Land? Wenn das also nicht der nachvollziehbare Mißstand war, so muß es wohl einen anderen gegeben haben, und beispielsweise die Vereinigten Staaten müssen etwas ganz Schreckliches getan haben, nur haben wir das nicht so recht mitbekommen. Vielleicht, daß die USA nicht genug die Araber unterstützt haben oder daß wir die falschen Araber unterstützt haben oder irgend etwas anderes. Alle suchen nach einem vernünftigen, rationalen Grund, dem nachvollziehbaren Mißstand, der den Terror begründete. Aber in meinen Augen gibt es einige Länder und einige politische Bewegungen, die am besten mit dem Wort ?totalitär? zu beschreiben sind, die beispielsweise auf der Basis mythologischer Einbildung und paranoider Verschwörungstheorien operieren. Dies kann meines Erachtens nach nicht analysiert und verstanden werden, indem nach rationalen Begründungen oder materiellen Erklärungen gefahndet wird.

Die dritte große Naivität besteht bei sehr vielen Menschen darin, daß sie Amerika für faschistisch halten oder aber auf dem Weg in den Faschismus sehen. Dies ist eine Ansicht, die sehr viele Leute außerhalb der Vereinigten Staaten teilen, aber es gibt auch eine gewisse Anzahl Amerikaner, die von dieser Hysterie nach den Anschlägen gefangen sind. Nun hat Bush diese Sicht vielleicht befördert: sein Mangel an Bildung, seine Unfähigkeit zur Kommunikation, seine Weigerung, andere Ansichten zu verstehen und überhaupt seine ?Qualitäten?, die ich für abstoßend halte. Dennoch: Der Schluß, Amerika ist oder wird ein faschistischer Staat, ist ein wilder Wahn, ein kompletter Unsinn." (Quelle: typoskript.net)

18 Juli 2005

Dichtung und Wahrheit

Unter diesem Link auf eine Seite der Financial Times Deutschland findet sich eine recht nützliche, wenn auch noch kleine Sammlung von Politikeraussagen und deren Widerlegung.

15 Juli 2005

Ätsch! Selber schuld!

In einem Kommentar des Herrn Dieter Schubert im ehemaligen FDJ-Blatt, das sich mittels Kleinschreibung des Eigennamens wohl in die Moderne katapultiert zu haben meint, liest man Folgendes:

"Es gibt weder ein tragfähiges politisches Programm noch eine besondere gesellschaftliche Sensibilität gegenüber der Verarmung breiter Bevölkerungskreise. Wie auch? Denn dazu müßten Millionen von Arbeitsplätze entstehen und die dann dort Beschäftigten Löhne erhalten, die eine Existenz jenseits von Essen und Trinken ermöglicht. Damit ist die BRD, die sich in den 80er Jahren noch großmäulig zum Schaufenster gegenüber dem Osten aufgeschwungen hatte, völlig überfordert."

Die Häme ist kaum zu übersehen:
Die BRD, der böse von "Bonner Ultras" - halt, jetzt sitzen sie ja in Berlin - gesteuerte kapitalistische Staat packt es einfach nicht!
Die schon zu selig Honeckers Zeiten alltäglich propgagierte Massenverelendung der westdeutschen Arbeiterklasse ist weiter im Vormarsch.
Und - ätsch! - die Regale der Supermärkte strahlen auch nicht mehr so hell! (Vielleicht liegt es daran, dass der graue Kontrast des DDR-Kaufhallenangebotes fehlt?)
Großmäulig ist der Kapitalismus! Und nun sieht er, dass er es (auch?) nicht kann!

So tönt der Herr Schubert.
Aber es kommt noch besser! Denn nicht nur die kapitalistisch-imperialistische BRD ist zu schmähen. Nein, da war doch noch was! Man kann förmlich die Schmerzen sehen, die unserem wackeren Ost-Genossen die Erinnerung daran bereitet:
Es waren doch die Ostdeutschen selbst, die Freiheit forderten und sich dem Westen an den Hals warfen. Dann bekommt dieses untreue Pack eben auch noch sein Fett ab:

"Ja, der Osten. Viele der früheren Schaufenstergucker wundern sich inzwischen ein bißchen über ihre damalige Blödheit. Selber schuld, möchte man sagen. Erst bekamen sie die Freiheit im Allgemeinen. Dann Videorekorder, Auto und Billigurlaub in Spanien. Und als sie dachten, alles wird gut, wurden sie von ihren Arbeitsplätzen befreit."

Ätsch! Da habt ihr nun eure Scheiß-Freiheit! Früher hattet ihr zwar keine "Freiheit im Allgemeinen", ihr hattet keine Videorekorder, ein Plastik-Papp-Gemisch wurde euch als Auto verkauft und warten musstet ihr darauf auch ein gutes Jahrzehnt - aber ihr hattet wenigstens "Arbeit"! Ihr durftet für weniger Kaufkraft zumindest so tun, als ob eurer Hände Arbeit Wohlstand schaffen würde!

So viel schmerz- und hassverzerrtes Geschreibsel und so viel Bitterkeit - armer Herr Schubert!

Pakistan am Abgrund

In Pakistan scheinen die Islamisten an Boden zu gewinnen. Zumindest, wenn man dem sprachlich dürftigen und offensichtlich in Eile zusammengestückelten Spiegel-Artikel folgt ("...ein Land, das mit Atomraketen und Atomwaffen bewaffnet ist.")

Die Frage ist, ab wann ein Eingreifen der Weltgemeinschaft sinnvoll sein könnte. Wenn die Islamisten die Macht ergriffen und damit die Kontrolle über die Atomraketen (und sogar die Atomwaffen!) gewonnen haben, könnte es zu spät sein. Es gibt wohl keine grausigere Vorstellung als die des Zusammentreffens totalitärer, lebensfeindlicher Ideologie mit Waffen solchen Vernichtungspotentials.

14 Juli 2005

Jammerreflex - aber keine Fatwa gegen Bin Laden

In dem Weltwoche-Artikel wird treffend analysiert, dass der islamistische Terror im Islam selbst angelegt ist und nicht kurzerhand dem Westen in die Schuhe geschoben werden kann.

Das Fazit ist ernüchternd: Echte und ernsthafte Bemühungen der religiösen Führer des Islam, die Fanatiker aus den eigenen Reihen zu stoppen, fehlen bisher.
Polemisch verkürzt aber dieses Manko verdeutlichend wird angemerkt:
"Es wurden Todesurteile gegen Schriftsteller wie Salman Rushdie oder Taslima Nasrim ausgesprochen, weil sie es gewagt hatten, koranische Glaubenssätze zu problematisieren. Aber bis jetzt erging noch von keiner wichtigeren religiösen Autorität eine Fatwa gegen Massenmörder wie Bin Laden oder Sarkawi."

Pathetisches Lob des Eigennutzes

"Die Bernstein Deklaration" - ein (vielleicht nur in der Übersetzung etwas holpriger) Lobgesang auf den Kapitalismus. Muss auch mal sein.

14. Juli

Was ich heute feiere?
Einen kleinen Mann, der also kühn, unabhängig und dynamisch zu werden verspricht.

Klingt nach einem echten Franzosen. Ist aber ein echter Eimsbüttler.
Aber wie der Papa gezeigt hat, muss das ja kein unüberwindbarer Widerspruch sein. ;-)

Dem "Wir" auf den Leim gegangen

Verlinkt gefunden auf der Freiheitsfabrik, möchte ich auf diesen Artikel bei liberalismus.at ebenfalls hinweisen:

"Das Virus des Kollektivismus breitet sich unaufhaltsam aus"

Eine Warnung an die Liberalen, im Kampf gegen die islamistischen Freiheitsfeinde nicht den Kollektivisten und Beschränkern der Freiheit im eigenen Land auf den Leim zu gehen.

Grundrechtsverächter

Die Unionsfraktion im Bundestag plädiert für die Speicherung von Telefon- und Internetdaten (siehe Artikel bei heise) - und die Sorge vor der Aufweichung der Bürgerrechte sind nicht einmal diskutiertes oder ernst genommenes Thema. Sondern werden als "ideologisierter Kampf gegen einen vermeintlichen Überwachungsstaat" diffamiert.

Diese Unbedarftheit im Umgang mit unserer Freiheit und unseren Grundrechten ist dann doch erschreckend.
Zumal, wenn man davon ausgeht, dass diese Leute vielleicht bald an der Regierung sind.
Ein liberales Korrektiv wäre dringend nötig, eine große Koalition aus den Staatsmacht-Groupies Union und SPD wäre fatal.
Ob die bekanntermaßen im Einknicken geübte FDP dieses Korrektiv darstellen kann? Ich zweifle noch dran.

12 Juli 2005

Rauf oder runter oder was jetzt?

In der ZEIT ist ein pointierter Beitrag von Robert Leicht zu finden, in dem er die Debatte über die von der Union ins Wahlprogramm aufgenommene Mehrwertsteuererhöhung kommentiert.

Und es klingt überzeugend: Die Entkopplung der Sozial- von den Arbeitskosten muss finanziert werden. Die Mehrwertsteuer ist die Steuer, die am wenigsten umgangen werden kann.
Und die Mehrwertsteuer bevorzugt die deutsche Wirtschaft gegenüber ausländischen Anbietern (weil auf deren Produkte die Steuer ja auch erhoben wird).

Aber für wirtschaftswissenschaftliche Laien wie mich bleibt alles natürlich eine Sache intuitiver Einschätzung. Mir scheint die Mehrwertsteuererhöhung sinnvoll zu sein, wenn mit dem eingenommenen Geld die Lohnnebenkosten gesenkt werden.
Andererseits gibt es das Argument, dass durch das Erschließen zusätzlicher Einnahmen der Druck zu strukturellen Reformen und Sparmaßnahmen sinkt.

Dumpfbackentheater

Rayson hat es in seinem Blog-Eintrag treffend analysiert:
Die Stieglerschen Einlassungen über das "Arbeit macht frei"-Motto sind nicht inhaltlich skandalös. Sondern sie sind eine Beleidigung der Menschen, denen er diese Aussage als Information, Aussage oder was auch immer anbietet.

Nicht besser wird das ganze Theater, wenn der geschmähte politische Gegner zuverlässig auf die Provokation anspringt.
CDU-Generalsekretär Kauder fordert laut Süddeutscher Zeitung Stieglers Abberufung. Meine Güte! Wieso wertet man Armleuchter wie Stiegler denn auch noch durch erregte Beachtung auf? Der Verdacht drängt sich auf, dass die geschmähte CDU oder zumindest Herr Kauder, um sich durch solch dummes Geschwätz getroffen fühlen zu können, womöglich auf demselben geistigen Niveau agieren.
Als Beobachter wünsche ich mir einfach mehr Gelassenheit. Herr Stieglers wirre Sprachassoziationen bringen der SPD keine Stimme mehr.
Ein souveräner Herr Kauder, der dem Stiegler lächelnd erklärt, dass man in einer anderen Liga spielt und derlei Geschwätz nicht kommentiert, würde der CDU vielleicht auch keine zusätzliche Stimme bringen.
Aber es würde besser aussehen.